Seekrankheit beim Segeln vermeiden: 10 bewährte Tipps

Tipps und Tricks

30/10/2024 10 Min. Lesedauer

Stell dir die Segelreise vor, von der du immer geträumt hast – an malerischen Küsten entlanggleiten, in kristallklarem Wasser baden, mit tropischen Fischen schnorcheln und versteckte Buchten entdecken, von denen du nie wusstest, dass es sie gibt. Und dann, gerade als alles perfekt läuft, trifft es dich: Seekrankheit. Plötzlich macht nichts mehr Spaß.

Eine kleine Wissensnotiz: Reise‑ und Seekrankheit wurden bereits im 19. Jahrhundert wissenschaftlich beschrieben. Sie entstehen, wenn dein Innenohr eine Bewegung registriert, die deine Augen nicht sehen – widersprüchliche Signale, die das Gehirn verwirren. Klingt seltsam, oder?

Zu lernen, wie man Reise‑/Seekrankheit vorbeugt, kann dein maritimes Abenteuer von „mühsam“ zu „unvergesslich“ verwandeln. Niemand möchte sich im Urlaub schlecht fühlen – schon gar nicht auf See. Obwohl Seekrankheit überraschend häufig ist (vor allem beim ersten Törn), gibt es zum Glück viele wirksame Strategien, um sie zu handhaben und vorzubeugen.

In diesem Leitfaden teilen wir 10 praktische Tipps, wie du Seekrankheit an Bord vermeidest – und was schnell hilft, falls sie doch zuschlägt –, damit du direkt wieder das Abenteuer genießen kannst.

Eine Comicfigur ist seekrank

Verstehen, wie man Seekrankheit vorbeugt

Bevor wir zu den Lösungen springen, hilft ein Blick auf das, was wirklich passiert. Seekrankheit ist die Reaktion des Körpers auf widersprüchliche Signale von Augen, Innenohr und Körper. Wenn diese Signale nicht zusammenpassen, wird das Gehirn „verwirrt“ – die typischen Symptome entstehen. Übelkeit ist meist das Hauptproblem, oft begleitet von Schwindel, Kaltschweißigkeit und allgemeinem Unwohlsein. Der Schlüssel zur Vorbeugung beim Segeln? Diese Sinneskonflikte mit bewährten Methoden adressieren.

Ein Mann ist seekrank auf einer Yacht

Innenohr und Reisekrankheit erklärt

Reise‑/Seekrankheit entsteht meist durch ein Missverhältnis zwischen dem, was deine Augen sehen, was dein Innenohr wahrnimmt und was dein Körper fühlt. Das Innenohr – zuständig für Gleichgewicht – registriert Bewegung und sendet Signale an das Gehirn. Passen diese Signale nicht zu den visuellen Eindrücken (z. B. wenn du unter Deck sitzt und die Wellen nicht siehst), „wirft das Gehirn das Handtuch“ und die Symptome setzen ein.

Um gegenzusteuern, fixiere deinen Blick auf einen festen Punkt in der Ferne, z. B. den Horizont. So kann das Gehirn die vom Innenohr gemeldete Bewegung mit den visuellen Eindrücken abgleichen und das Gleichgewicht wiederherstellen. Viel frische Luft und regelmäßige Pausen an Deck wirken ebenfalls Wunder und geben dem Körper die Chance zum Reset.

Infografik zu Ursachen der Seekrankheit

10 wirksame Wege, Seekrankheit im Segelurlaub zu vermeiden

1. Selbst ans Ruder

Wer zu Seekrankheit neigt, kennt oft auch Reisekrankheit. Hast du bemerkt, dass dir im Auto selten schlecht wird, wenn du selbst fährst? Kein Zufall.

Ähnlich funktioniert es auf See: Wenn dir übel wird, übernimm das Ruder und fokussiere den Horizont – Kopf und Augen nach vorn in Fahrtrichtung. Vielleicht das Letzte, wonach dir in dem Moment ist, aber viele Seglerinnen und Segler schwören darauf.

Im Akutfall ist das oft deine beste Chance, Seekrankheit beim Segeln zu vermeiden.

Segler steuert eine Yacht

2. Ingwer: Naturmittel gegen Übelkeit

Ingwer beruhigt den Magen – und hilft erstaunlich gut gegen Seekrankheit auf Törns.

Es gibt viele Formen: eiskalte Ginger Ale, Ingwerbonbons, Ingwerkekse oder Wasser/Tee mit frischem Ingwer. Selbst wenn du sicher bist, nicht seekrank zu werden, lohnt es sich, Ingwerprodukte an Bord zu haben – für alle Fälle.

Glaub uns: Ingwer ist oft ein echter Rettungsring in Momenten der Übelkeit.

Ingwer als Mittel gegen Seekrankheit

3. Keine Selbstkritik – Selbstbestärkung

Klingt simpel, aber positive Selbstgespräche können tatsächlich helfen.

So gehst du vor, wenn die Übelkeit an Bord aufkommt:

Problem benennen: Seekrankheit

Mögliche Ursache: Angst oder Kontrollverlust

Neuer Gedanke: „Wir sind sicher, es passiert nichts und wir sind im Reinen mit der Situation.“

Es geht darum, den Geist umzuprogrammieren – und für viele funktioniert das.

Eine Frau mit geschlossenen Augen auf einer Yacht

4. Hypnose

Entgegen mancher Vorurteile kann Hypnose gegen Seekrankheit, allgemeine Reisekrankheit und sogar Schwindel auf See helfen.

Beliebt ist z. B. eine Audioserie von Giovanni Lordi (Mind Journeys). Eine kurze Websuche liefert dir viele Informationen.

Wenn dir Hypnose früher geholfen hat, lohnt ein weiterer Versuch auch gegen Seekrankheit.

Ein Mann hört eine Audioanleitung gegen Seekrankheit

5. Sea‑Bands & Akupressur

Dir wird während der Fahrt übel? Es gibt einen einfachen Akupressurpunkt, der helfen kann.

Lege drei Finger quer ab Handgelenksbasis an und drücke knapp unter der Mitte des Unterarms. Das hilft oft, ist aber meist nur vorübergehend.

Eine Alternative sind Sea‑Bands – Armbänder mit einem kleinen Knopf, der genau diesen Punkt konstant stimuliert. Viele Segler nutzen sie zur Vorbeugung von Reise‑/Seekrankheit, Erfahrungsberichte sind positiv.

6. Nevastic Audio‑App

Ja, es gibt tatsächlich eine App gegen Seekrankheit – und sie kann helfen.

Die klinisch geprüfte Nevastic Audio‑App lindert Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit Reise‑/Seekrankheit. Jede Sitzung dauert 27 Minuten und besteht aus einer Abfolge von Sounds/Liedern, die mit Kopfhörern gehört werden und einen Balance‑Effekt erzeugen sollen.

Besonders gut für Kinder geeignet. Planst du, mit Kindern zu segeln , lohnt sich ein Blick.

7. Nelson’s Travella

Dieses homöopathische Mittel kombiniert Staphisagria, Apomorph, Cocculus, Petroleum, Theridion, Nux vomica und Tabacum gegen Reise‑/Seekrankheit.

Derartige Mittel sind häufig rezeptfrei in Apotheken oder online erhältlich – sinnvoll, vor dem Törn einzupacken.

8. Relief Band Explorer

Ähnlich wie Sea‑Bands, aber einen Schritt weiter: Das Relief Band sendet schwache elektrische Impulse an den Druckpunkt.

Beim ersten Gebrauch spüren viele ein Kribbeln in Handfläche oder Mittelfinger – vollkommen normal. Es gibt fünf Intensitätsstufen zur Anpassung.

Mit rund 80 Euro ist es eine Investition – aber überlegenswert, wenn anderes nicht hilft.

9. Scopoderm TTS / Scopolamin‑Pflaster

Ein häufiges Problem: Bei starker Übelkeit/Erbrechen sind Tabletten schwer zu nehmen. Ärztinnen/Ärzte empfehlen dann oft Scopoderm TTS oder Scopolamin‑Pflaster.

Wenn die Übelkeit kommt, ein Pflaster aufkleben und warten, bis sich der Magen beruhigt.

Keine Garantie – aber viele Segler berichten von guter Wirkung. Häufig Teil von Behandlungsplänen gegen Reise‑/Seekrankheit.

10. Cinnarizin/Stugeron

Im Unterschied zu Pflastern ist dies eine klassische Tablette zum Schlucken.

Das Mittel beugt Erbrechen und Dehydration effektiv vor. Achtung: Es macht müde. Aber Hand aufs Herz – ein bisschen schläfrig ist besser, als die Reise über der Reling zu verbringen.

Ernährung an Bord: was essen (und meiden)?

Was du vor und während des Segelns isst, kann entscheidend sein. Niemals mit leerem Magen auslaufen – das erhöht das Risiko für Seekrankheit. Greife stattdessen zu leichten, gut verdaulichen Mahlzeiten und Snacks. Schwere, fettige oder stark gewürzte Speisen können den Magen reizen und Symptome verstärken – besser meiden.

Eine Person isst zu Mittag, um Seekrankheit zu vermeiden

Auch Hydration ist wichtig – Dehydration verschlimmert vieles und erhöht das Risiko für Seekrankheit. Trinke regelmäßig Wasser und sei vorsichtig mit Kaffee und Alkohol, die dehydrierend wirken. Rauchen kann die Symptome ebenfalls verstärken – besser an Bord vermeiden.

Wasser in einem Glas

Kinder und Seekrankheit: besondere Hinweise

Kinder sind oft anfälliger für Reise‑/Seekrankheit – im Auto wie auf dem Boot – daher helfen zusätzliche Maßnahmen, damit sie die Fahrt genießen. Besonders effektiv: sie zu beschäftigen und abzulenken – Spiele, Musik oder Lieder verhindern, dass sie sich auf die Bewegung konzentrieren. Sorgt für viel Zeit an Deck mit frischer Luft und Blick auf den Horizont, damit Augen und Innenohr „synchronisieren“.

Zeigt dein Kind frühe Anzeichen wie leichte Übelkeit oder Schwindel, sprich mit der Kinderärztin/dem Kinderarzt über geeignete Medikamente. Dosierungen stets genau befolgen.

Mit Vorbereitung, Pausen an Deck sowie ausreichend Getränken und Aktivitäten können Familien Seekrankheit vorbeugen und sicherstellen, dass alle die Zeit auf dem Wasser genießen.

Kind mit Seekrankheit

Cybersickness: was Segler wissen sollten

Mit der Verbreitung von Virtual Reality und Videospielen taucht eine neue Herausforderung auf: Cybersickness (virtuelle Reisekrankheit). Die Ursache ist die gleiche: Konflikt zwischen Sehen und Innenohr. Wenn die Augen in der virtuellen Welt Bewegung wahrnehmen, Körper und Innenohr aber keine echte Bewegung registrieren, können Übelkeit, Schwindel und Kaltschweißigkeit auftreten – bis hin zum Erbrechen.

Mann hält sein Handy auf einer Segelyacht und ist seekrank

Gegen Cybersickness helfen Bildschirmpausen, das Fixieren eines fernen Punktes und Anpassungen von Blickrichtung/Haltung, damit das Gehirn neu kalibrieren kann. Treten Symptome auf, weg vom Bildschirm und an die frische Luft. Hol dir ärztlichen Rat zu Vorbeugung und Behandlung.

Wenn du Ursachen und Symptome verstehst, bist du besser gewappnet, Unwohlsein vorzubeugen und dich aufs Segeln zu konzentrieren – egal wohin dich der Wind trägt.

Was sind die Symptome der Seekrankheit?

Frühes Erkennen hilft, gegenzusteuern, bevor es ernst wird. Typische Symptome:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel
  • Abgeschlagenheit (fehlende Motivation/Antrieb)
  • Starkes Schwitzen
  • Kaltschweißigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Blässe
  • Müdigkeit
  • Blutdruckveränderungen

Diese Symptome können den Alltag merklich beeinträchtigen und Reisen sowie Aktivitäten erschweren.

Kopf hoch beim Segeln!

Jetzt weißt du, wie du Seekrankheit mit diesen 10 bewährten Methoden vermeidest. Und: Positiv bleiben – Seekrankheit geht vorüber!

Der beste Rat? Probiere verschiedene Strategien und finde heraus, was für dich funktioniert. Viele erfahrene Segler kombinieren mehrere Maßnahmen – z. B. Ingwer, Horizontfokus und Akupressurbänder.

Und wenn es dir wieder gut geht? Dann schmeckt gutes Essen gleich doppelt. Hol dir unsere Tipps zum Kochen an Bord und hol noch mehr aus deiner Segelreise heraus!

 

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